
Die Wildbienen-Häuser Frommenhausen
Aktuelle Nachricht: Förderverein Frommenhausen e.V. gewinnt Naturschutz-Preis
Der Förderverein freut sich mitteilen zu können, dass er mit seinen Wildbienen-Projekten einen der vier ersten Preise des 20. Zwiefalter Naturfonds 2008 gewonnen hat.
Die Preisverleihung fand am 13. März 2009 in Zwiefalten statt.
Das Wildbienenprojekt entstand von März 2006 bis Juni 2008 auf Initiative des Fördervereins Frommenhausen e.V. mit freundlicher Unterstützung des Projektes Wildbienenschutz, Meinrad Lohmüller, des Bezirksvereins der Imker Rottenburg e.V. und der Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg.
Mit einem Kindergarten-Event wurden die Kinder Frommenhausens an die Thematik herangeführt und sie bastelten selbst einige Nisthilfen. Vom 27.6. bis 27.7.2008 wurde in Frommenhausen eine Wildbienenausstellung gezeigt. Die Eröffnung fand am 27.6. um 19 Uhr in der Von-Wagner-Halle mit dem Vortrag "Wildbienen und ihre Förderung im Garten" (Referent: Meinrad Lohmüller) statt.
Parallel wurde zum Ortsjubiläum Frommenhausen vor dem Rathaus durch die Künstlerin Birgit Jönsson eine belebte Figurenbeute ("Der Frommenhausener Loahner") für Honigbienen erstellt.

Hier sind die Infotexte an den Wildbienen-Häusern zum Nachlesen:
Wildbienen sind keine geflüchteten Honigbienen, sondern deren wildlebende Verwandte. Wie ihr Name schon verrät, leben sie als Einsiedlerbienen (Solitärbienen) nicht wie die Honigbiene in großen Staaten, sondern allein. Da sie keine großen Nahrungsvorräte verteidigen müssen, hat sich ihr Stachel im Laufe von Jahrtausenden zurückgebildet.
Unter den Wildbienen bilden aber die sozialen Hummeln Völker und können deshalb auch stechen.
Der Lebenszyklus einer Solitärbiene soll am Leben von Osmia cornuta dargestellt werden, einer der bei uns häufigsten Mauerbiene mit fuchsrotem Hinterleib, auch "Gehörnte Mauerbiene" genannt entsprechend der zwei kleinen Hörnchen zwischen den Haaren am Vorderkopf der Weibchen.
Männchen und Weibchen überwintern als fertige Insekten in schützenden Kokons in ihrer Niströhre.
Nach der winterlichen Diapause erscheinen ab Anfang März bis Anfang Juni zuerst die Männchen und warten auf die Weibchen, die erst ein bis zwei Wochen später erscheinen. Die etwas kleineren Männchen haben nach der Begattung der Weibchen ihre biologische Aufgabe erfüllt, leben aber im Gegensatz zu den Drohnen der Honigbiene weiter und befliegen Blüten, um dort Nektar zu saugen. Das begattete Weibchen macht sich auf die Suche nach einem Nistplatz, um dort ihr Liniennest anzulegen. Dazu werden auch eben verlassene Brutröhren benutzt und von den Resten der alten Brutzellen gesäubert. Es trägt Pollen und Nektar in die Brutzelle ein, legt ein Ei auf das "Pollenbrot" und verschließt die Zelle mit Lehm, der mit Speichel vermischt wird. Danach befüllt es die nächste Brutzelle.
Bei gutem Wetter kann sie an einem Tag eine Kammer fertig stellen und mit einem Ei belegen. In ihrem Lebenszyklus von vier bis sechs Wochen sorgt sie so für etwa 20 bis 40 Nachkommen. Im Liniennest legt es zunächst hinten befruchtete Eier ab, aus denen sich Weibchen entwickeln. Das vorne zuletzt gelegte Ei ist unbefruchtet, daraus entwickelt sich ein Männchen, das sich so im Frühjahr vor den Weibchen den Weg ins Freie nagen kann. In den Zellen schlüpfen nach 4 bis 10 Tagen aus den Eiern die Larven, die sich zwei bis vier Wochen lang von dem Pollenbrot ernähren, sich in dieser Zeit mehrmals häuten und sich dann in einen festen Kokon einspinnen. Im Kokon verpuppen sie sich, der Larvenkörper verwandelt sich in eine Biene.
Im Spätsommer ist die Metamorphose abgeschlossen, die Männchen und Weibchen der nächsten Generation liegen als fertige Bienen in den Kokonhüllen, in denen sie gegen die Kälte geschützt den Winter verbringen.
Entsprechend der Vielfalt der Wildbienen gibt es auch die unterschiedlichsten Nestbauten. Einige graben Röhren in Sand- oder Lehmböden, nagen Nistgänge in altes Holz oder in markhaltige Stängel, manche mauern sogar steinharte Burgen für ihren Nachwuchs aus selbst hergestelltem Mörtel. Andere beziehen einfach bereits vorhandene Hohlräume wie Löcher im Verputz unserer Hauswände, hohle Stängel oder Käferfraßgänge in besonnten, morschen Bäumen oder in altem, unbehandeltem Holz.
Ebenso vielfältig sind die Materialien, die zum Bau der Nester verwendet werden: körpereigene Sekrete, die Wasser abweisen, Naturmaterialien wie Lehm, Sand, Steinchen, Pflanzenmark, Fasern von Pflanzenstängeln, zerkleinerte Blattstücke und Tierhaare.
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Unser Verhältnis zu Insekten ist zuweilen von Vorurteilen geprägt, auch neigen wir dazu, Insekten zu übersehen, ihre Welt nicht wahrzunehmen. Folglich wissen wir meist nur wenig über sie, kennen die Geheimnisse der Insektenwelt nicht.
Hier sind für Insekten zwei Hotels errichtet worden, um besonders Wildbienen anzusiedeln, um durch Beobachten diese Insekten besser kennen zu lernen, um zu erfahren, dass Insekten nicht schädlich oder gefährlich, sondern ausgesprochen nützlich, ja unentbehrlich im Naturhaushalt sind und zudem ein interessantes Verhalten zeigen.
Diese beiden Insekten-Hotels und unsere Informationen sollen sie animieren, Wildbienen-Nisthilfen für ihren Garten oder ihren Balkon zu bauen und sie können versichert sein, dass alle Insekten, die dort einziehen, völlig ungefährlich und überaus friedfertig, aber stark gefährdet sind und ihnen spannende Beobachtungen ermöglichen. Neben Wildbienen werden auch solitäre Lehm- und Grabwespen ihr Wohnungsangebot annehmen und Beutetiere, die sie mit einem Stich lähmen, in erster Linie Raupen von Kleinschmetterlingen und Blattläuse, als Futtervorrat für ihre Brut eintragen.
Derzeit sind in Deutschland etwa 460 Wildbienenarten bekannt, viele Arten sind in den letzten Jahrzehnten bereits ausgestorben und man stuft fast fünfzig Prozent der Solitärbienen und -wespen als gefährdet und vom Aussterben bedroht ein. Die große Bedeutung der Solitärbienen und -wespen für den Naturhaushalt wird erst seit kurzer Zeit ernst genommen, lange wurden sie als Blütenbestäuber und als biologische Schädlingsbekämpfer unterschätzt.
Mit der Ausräumung und Verbauung unserer Landschaft sind Nistplätze für Wildbienen selten geworden, herrscht für sie Wohnungsnot. Besonders hart trifft es die bodennistenden Arten, die auf offene Flächen in Flussauen, karge ÖdlandsteIlen, Waldränder, Magerwiesen, unbefestigte Feldwege, Heckenstreifen oder Trockenrasen angewiesen sind. Mit dem Rückgang von Streuobstwiesen und naturbelassenen Wäldern sinkt das Angebot an Totholz für oberirdisch nistende Bienen. Viele wichtige Kleinstrukturen wie markhaltige Stängel, Abbruchkanten oder Hohlwege und Trockenmauern sind kaum mehr zu finden. Ebenso unzureichend ist das Nahrungsangebot. Wo artenreiche Blumenwiesen, Obstbäume an Feld- und Straßenrand, Gärten mit insektenfreundlicher Bepflanzung fehlen und kleinere, extensiv genutzte Äcker zu riesigen Agrarflächen mit großen Monokulturen umgewandelt und durch den Einsatz von Gift unsere Flora schrittweise ärmer wird, ist den Bienen ihre Nahrungsgrundlage entzogen.
Honigbienen sind uns als Bestäuber unserer Kulturpflanzen bekannt, doch zahlreiche Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Wildbienen inklusive der Hummeln angewiesen, aber auch bei den Kulturpflanzen wie Obstbäumen, Beerensträuchern, Blumen und Kräutern übernehmen die Wildbienen eine wichtige Bestäubungsfunktion, kommt ihnen eine große ökologische Bedeutung zu, denn ohne Bestäubung gibt es keine Früchte und keine Samen. Mit Körperlängen zwischen zwei mm und 30 mm sind sie an ihre verschiedenartige Nahrungspflanzen angepasst.
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Nisthilfen für Insekten werden im Handel vielfältig angeboten, doch können Sie diese auch selbst herstellen:
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Die Nisthilfen sollten bis Anfang März an einer sonnigen Stelle an einer Wand oder einem Pfosten etc. angebracht, befestigt werden. Sie dürfen nicht baumeln, die Nistgänge sollten waagrecht liegen und müssen von den Insekten frei anzufliegen sein, dürfen also nicht von Ästen oder Blättern verdeckt sein.
An Bäumen bringt man die Nisthilfe am Stamm unterhalb der Baumkrone an. Da Feuchtigkeit durch Verpilzung die eingetragene Nahrung und die kleinen Helfer schädigt, sollte ein regengeschützter Standort bevorzugt bzw. ein Regen-schutz angebracht werden.
Sie sollten sich die faszinierende Lebensweise der solitären Bienen und Wespen nicht entgehen lassen und ihre Nisthilfe deshalb so aufhängen, dass sie gut beobachtbar ist. Gerade Balkone und Terrassen bieten sich an. Alle Bewohner dieser Nisthilfen sind absolut friedfertig und sie beteiligen sich auch nicht an ihrer Marmelade, an ihrem Kuchen.
Anders als bei Vogelnistkästen ist bei Bienennisthilfen keinerlei Pflege nötig. Diese Insekten säubern alte, verlassene Nester und beziehen sie dann neu.
Im Winter bleiben die Wohnhäuser unsere kleinen Freunde natürlich draußen. Ist eine Nisthilfe ausgebucht, sollte angebaut werden. Stark verwitterte, nicht belegte Nisthilfen kann man gegebenenfalls auswechseln.
Es braucht zuweilen etwas Geduld, bis die einzelnen Arten die angebotenen Nisthilfen finden und besiedeln. Wildbienen sind meist ortstreu und bauen bevorzugt dort, wo sie sich entwickelt haben. Für eine gute Besiedlung ist auch ein entsprechendes Nahrungsangebot nötig.
Außer den Wildbienenhäusern gibt es in Frommenhausen noch ein anderes Bienenprojekt; diesmal geht es um die Honigbienen. Die Figurenbeute "Der Loahner" beherbergt "das Bien" (Bienenvolk) am Rathaus.

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Roland Harrer · Burgmühlenweg 22 · 72108 Rottenburg am Neckar